Martin Walker – Brunos Kochbuch

 

Martin Walker – Brunos Kochbuch Diogenes Verlag AG 2014

eine Buchbesprechung von Annette Frenz und Adolf Mozdrzen

Unser Interesse für das Kochbuch ist zum zweiten Mal durch eine Lesung mit Martin Walker und Gert Zimanowski in Wiesbadener Literaturhaus erwacht.

Martin Walker ist Historiker, politischer Journalist und hat lange Jahre für den Guardian geschrieben. Die meisten von uns aber kennen ihn eher als Romanautor. Martin Walker und seine Frau erzählen darin von ihrem Leben im Périgord und von der Entstehung des Buches. Man merkt den beiden an, welche Begeisterung für Kochen und Essen sie haben.

 

Schon wieder ein Kochbuch? Ja, aber eines das aus dem Rahmen fällt. Schon bei dem ersten Blick auf das Kochbuch fällt die sehr hochwertige Ausführung auf. Leineneinband -wo gibt’s den sowas bei einem Kochbuch- und gleich beim durchblättern die nächste Überraschung: Fadenheftung und Lesebändchen. Auch die Farbgestaltung „bleu blanc rouge“ eine direkte Anspielung auf Frankreich und das Périgord. Auf alle Fälle macht es im Bücherregal schon was her, vor allem wenn es neben den Kriminalgeschichten von Bruno dem Chef de Police steht. Der eindeutige Bezug zu seinem Lieblingspolizisten ist im Titel „Martin Walker Brunos Kochbuch“ zu finden. Bruno dem Dorfpolizisten geht es nicht nur um Mord und Totschlag, sondern auch um die Lebensart im Périgord. Dem Chef de Police geht es aber besonders ums Essen. Dorfpolizist Bruno ist ein leidenschaftlicher Koch.

So und um was geht es den nun in dem Kochbuch? Na ums Essen und um die französische Lebensart. Martin Walker lädt uns ein in seine Wahlheimat Périgord und in seine Küche. Der Titel „Brunos Kochbuch“ verrät dem Leser der Kriminalfälle schon einiges darüber was er zu erwarten hat, denn Bruno isst für sein Leben gern und gut. So ist es nicht verwunderlich, dass sich alles um die Rezepte dreht, die Bruno auf seinen Tisch bringt während er die verzwickten Kriminalfälle löst. Auch die kleinen Tipps, die man unter vielen Rezepten findet, sind in Brunos Namen verfasst von dem Mann der Bruno nach dem Vorbild des echten Dorfpolizisten Pierrot erschaffen hat: Martin Walker.

Die Rezepte werden nicht in der uns bekannten klassischen Menüfolge präsentiert. Sie sind eher den Menschen gewidmet, die unsere Nahrungsmittel herstellen. Die Kapitel beginnen jeweils mit einer kleinen Einführung zum Thema und so erfahren wir Interessantes über die Herkunft der Lebensmittel und die Menschen, die sie herstellen. Den Bäcker, den Fleischer, den Jäger, den Gemüsebauern, den Winzer und all die Anderen die dafür sorgen, dass es Bruno an keiner kulinarischen Köstlichkeit fehlt. Dank der schön geschriebenen Einführungen erfahren wir, welche Produkte typisch für die Region sind und woher sie kommen. In den Rezepten finden  sie dann Verwendung.

Die Rezepte selbst entführen uns ins Périgord. Beispiel: Da gibt es die Sobronade, eine herzhafte Bohnensuppe, Forelle im Backpapier-Päckchen gebacken, Suppe aus Entenkarkassen, Boeuf à la Périgoudine, Tarte Tatine mit roten Zwiebeln und Ziegenkäse, Walnusstarte, Trüffelomelette, Hühnchen in Verjus. Es sind französische Klassiker dabei, aber die meisten Rezepte haben einen Dreh, der einen direkt ins Périgord führt. Es ist eine herzhafte Küche, die hier vorgestellt wird. Viel Entenschmalz wird zum Braten verwendet, natürlich haben auch Trüffel und Foie Gras ihren Platz, ebenso wie Walnüsse und die vielen Käsesorten des Périgord. Der Rezeptteil wird durch Brunos Küchennotizen, eine Mischung aus Glossar und Grundrezepten, vervollständigt.

Abgerundet wird das Kochbuch durch die vielen schönen, ganzseitigen Fotos des preisgekrönten Fotografen Klaus-Maria Einwanger. Bilder der herrlichen Gerichte und der Landschaft, von Martin Walker und seinem Hund Benson und nicht zu vergessen der Grundprodukte ohne die es kaum möglich wäre solche Gaumenfreuden zu zaubern. Gleich zu Beginn des Buches gibt es auch ein Foto von Sarkozy dem prachtvollen Hahn der mit Henne Angela angebandelt hat, das Resultat der Liaison hört auf den schönen Namen Macron.

In der mir vorliegenden Ausgabe gibt es eine Zugabe in Form eines Büchleins mit zwei Geschichten. „Markttag“ und „Die Weihnachtsgans“. Zwei kulinarische Fälle für Bruno Chef de Police. In der nächsten Ausgabe sollen die beiden Geschichten nicht als Einleger sondern als Bestandteil des Buches erscheinen. „Markttag“ wurde von Martin Walker eigens für dieses Kochbuch geschrieben und „Die Weihnachtsgans“ erschien zuerst unter dem Titel „Bruno und Knecht Ruprecht“

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